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Dr. Franjo Grotenhermen beendet seinen Warnhungerstreik

Medizin

Autor: A. P.

„Ich habe Hunger“, ist Franjo Grotenhermens Antwort auf die Nachfrage nach seinem Befinden.

Per Telefon berichtete er am 19. Mai über seinen körperlichen Zustand – einen Tag, bevor er seinen Warnhungerstreik beendete. „Ansonsten geht es mir gut – schlapp, aber gut“, fasste er zusammen.

Unter den Cannabispatienten und -aktivisten kennt ihn jeder. Und jeder, der Dr. Franjo Grotenhermen gesehen hat, wird ihn nicht so schnell vergessen. Der Arzt, der sich für Cannabismedizin wie kaum ein Zweiter einsetzt, ist selbst so schwer erkrankt, dass er permanent liegen muss. Trotzdem hält er regelmäßig Vorträge und praktiziert nach wie vor.
Dieser ohnehin angeschlagene Mann hatte am 12. Mai entschieden, in einen Warnhungerstreik zu treten. Der Grund ist seine Erschütterung darüber, dass die Kosten für medizinische Cannabisblüten entgegen der Zusicherung durch Bundesregierung doch erhöht wurden. Und zwar drastisch. 100 Prozent müssen die Apotheken nun beim Verkauf auf den Einkaufspreis draufschlagen. So will es das Gesetz für die Abgabe von Rezepturarzneimitteln. Apotheken, die sich in der Vergangenheit nicht daran hielten, konnten Schwierigkeiten bekommen.
Dadurch, dass sich in vielen Fällen die Krankenkassen sträuben, die Kostenerstattung zu übernehmen, hat sich die Situation für viele Patienten stark verschärft: Ein Schmerzpatient, der 1 Gramm täglich braucht, zahlt – wenn sich seine Kasse weigert – nun aus eigener Tasche rund 700 Euro.

Laut Cannabisgesetz, das zum 10. März 2017 in Kraft trat, sollten Krankenkassen nur in Ausnahmefällen die Kostenübernahme verweigern dürfen. Grotenhermen stand bei der Entwicklung des Gesetzes als beratender Experte zur Seite und wurde bei der Abstimmung im Bundestag am 19. Januar namentlich erwähnt.

Auf die große Euphorie folgte schwere Enttäuschung. In seiner Stellungnahme kündigte Grotenhermen deswegen an, „radikaler“ vorzugehen: „Weil es gibt auch eine Tendenz, das alles immer wieder auszusitzen“. Den Hungerstreik habe er gut durchdacht, im Vorfeld mit seiner Frau abgesprochen und zwei Wochen vorher die drogenpolitischen Sprecher und die Drogenbeauftragte der Bundesregierung, Marlene Mortler, informiert.
„Politiker lassen sich nicht gern erpressen“, sagte Grotenhermen im Telefongespräch. Um Erpressung ging es ihm auch niemals. Sondern darauf aufmerksam zu machen: „dass hier etwas nicht in Ordnung ist und korrigiert werden muss“.

Die Zeit hatte er auch dazu geplant, sein Buch „Cannabis gegen Krebs“ fertigzustellen und eine Woche lang „raus zu sein“, wie er erklärt. Wasser und Kamilletee waren seine tägliche Mahlzeit. Er selbst analysierte innerhalb der acht Tage seine Blutwerte und beobachtete die Reaktionen seines Körpers.
In erster Linie war aber sollte es ein Ausdruck der Unterstützung „vieler aktiver Leute, die versuchen, das Gesetz noch zu verbessern“ – im politischen Raum –, sein. Und ein Appell an „andere Verantwortliche, zum Beispiel die Krankenkassen und den MDK (Medizinischer Dienst der Krankenkassen)“. Nicht zuletzt auch ein Zeichen der Solidarität mit den Patienten. „Ich leide einfach ein Stückchen mit“, sagte er.

Sein Vorschlag für die Verantwortlichen des Gesetzes: „Cannabisblüten sollten wie Fertigarznei behandelt werden“ und: „Ärzte sollten – zumindest in der Phase der Begleiterhebung – nicht durch Repression bedroht werden“ – Wenn Ärzte nicht wirtschaftlich arbeiten und beispielsweise teure Medikamente verschreiben, müssen sie mitunter selbst dafür zahlen.
So wären zumindest erste Bedingungen geschaffen, das Heilpotenzial der Pflanze tatsächlich testen zu können.
Über die Reaktionen von Politikern, die ihn vor dem Hungerstreik erreichten, sagte er nichts Konkretes. Nur soviel: „Es gibt im Hintergrund Aktivitäten, das zu korrigieren.“

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